Vom Geben und Nehmen

Geben und Nehmen

 

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Menschen nicht dazu gemacht sind, dass jeder für sich alleine im stillen Kämmerchen vor sich hinarbeitet oder lebt.

Ich bin fast 16 Jahre selbstständig und weiß aus Erfahrung, dass in der Zusammenarbeit und in Kooperationen das größere Potential liegt. Sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Bereich.

 

Doch leider können noch immer viel zu wenige Menschen, mit dieser Philosophie der „Gemeinschaft“ oder „Kooperation“ etwas anfangen.

Warum? Ich denke, sie sind noch nicht erwachsen geworden.

 

Wie Kinder es tun – geben und nehmen

Leider immer noch viel zu viele Menschen nehmen ausschließlich. Sie kommen gar nicht auf die Idee, in irgendeiner Form auch etwas an die Gemeinschaft zu geben oder zumindest nicht ohne gleich direkt die Hand aufzuhalten.

So machen es Kinder. Und bei Kindern ist es absolut in Ordnung, dass sie nehmen. Das ist in der Natur so vorgesehen. Babys, Kleinkinder, Jugendliche – sie nehmen und Eltern geben. So ist das Spiel von Geben und Nehmen. Punkt.

Doch irgendwann sollte jedes Kind nicht nur körperlich erwachsen werden. Und in dem Maß, wo sie erwachsen werden, treten sie in den Kreislauf von Geben und Nehmen ein.

Haben wir dann selber Kinder, sind wir an der Reihe, zu geben.

Und wenn wir genügend bekommen haben als Kinder, fällt es uns auch nicht schwer – das Geben.

 

Doch wenn in der Entwicklung etwas schief gegangen ist, dann verweilen diese Menschen in dem Zustand der Kindheit – im Zustand des „Nehmens“ und das Kollektiv kümmert sich eben darum. Das Kollektiv sind andere Menschen, die sich dieser erwachsenen Kinder einfach annehmen und die Sache regeln.

Nur das ist diesen erwachsenen Kindern auch wieder nicht recht.

Sie möchten also nicht nur ausschließlich nehmen, sondern auch noch bestimmen darüber, wie das Kollektiv die Sache regelt. Nur klappt das meist nicht nach ihrem Willen und dann spielen sie den Märtyrer.

 

Ein krasses Beispiel

Ich bekomme ein Auto vererbt, kann aber überhaupt nicht Auto fahren. (Da ich ja nur nehme, kommt mir gar nicht in den Sinn, dass ich die Erbschaft ja auch ablehen könnte.)  Also ideale Lösung, weil du mir ja schon öfter den Rasenmäher geborgt hast, kommst mir du in den Sinn. Also lasse ich mein Auto ohne dich zu fragen in deinen Garten abstellen.

Du fragst mich, ob ich wahnsinnig geworden bin und gibst mir eine Frist, bis zu der ich das Auto aus deinem Garten entfernen soll.

Die Frist verstreicht, ich komme nicht wirklich in die Gänge, ich kann ja nicht autofahren und müsste jemanden organisieren und überhaupt verstehe ich nicht, warum du dich so aufregst. Damit ich zumindest guten Willen zeige, renne ich (aber in selbstgerechtem Zorn auf dich) in der Gegend herum und frage wahllos Passanten, ob sie das Auto kaufen möchten. Niemand will das Auto.

Du bist extrem höflich und setzte eine Nachfrist. Die lasse ich auch verstreichen. Als Entschuldigung sage ich dir, dass ich ja eh schon versuche, das Auto zu verkaufen, es aber niemand möchte. Und, dass du dich halt nicht so aufregen sollst. Und, dass du schon ein bisschen egoistisch bist und dich da nicht so reinsteigern solltest.

Schließlich lässt du das Auto abholen und auf einen öffentlichen Parkplatz stellen und schickst mir die Rechnung. (Dann gehst du Kickboxen oder sonstwie deine Wut abreagieren.)

Jetzt habe ich die Chance, dass ich mich vor allen Menschen, die es hören oder nicht hören möchten, als die Arme darstelle, der das Auto „einfach so“ umgeparkt wurde (dazu erfinde ich noch ein paar Details, die ich nach einigen Wiederholungen für wahr halte). Zusätzlich habe ich die Arbeit mit dem Auto auch nicht mehr (oder zumindest hoffe ich das, denn Nummernschilder hat die Karre ja nicht). Und der Steuerzahler – das Kollektiv – zahlt. Die Rechnung bezahle ich dir nicht und da sie nur unter hohen Kosten einklagbar ist, ersparst du dir den Schritt vors Gericht.

 

Das kennst du?

Vielleicht ist dir das schon selber in der einen oder anderen Art und Weise begegnet. Menschen, die keine Wohnung finden und ewig bei anderen wohnen bleiben. Menschen, die ewig die Arbeitslosen unterstützung in Anspruch nehmen, ewig Mietbeihilfe bekommen… ein Coaching beginnen und vom Coach erwarten, dass er ihr Leben lebt…

 

 

Solche großen Kinder nehmen, was genommen werden kann. Diese Kinder versuchen, am Meisten in die eigene Tasche zu schieben.

Nach dem Motto: „Ich könnte ja verhungern.“ Denn sie haben das Gefühl, dass Geben anstrengend ist. Und fühlen sich im Recht – denn: Kinder nehmen. Eltern geben.

 

Sich in den Fluss des Lebens stellen

Dass das Gegenteil der Fall ist, werden diese Menschen nicht bemerken, da sie niemals zu dem Punkt kommen, wo der Fluss des Lebens beginnt, sie zu tragen. Sie kommen einfach nicht über den Punkt hinaus, wo sie nicht mehr selber schwimmen müssen. Wo sie getragen werden. Wo es mühelos wird – das Geben und Nehmen.

Vielleicht, weil sie sich niemals so weit hinaus schwimmen trauen.

Das gelingt aber nur, wenn du aus der Fülle heraus arbeitest. Wenn du in dem Bewusstsein bist, dass du alles hast und immer genau das bekommst, was du brauchst. Dann kannst du geben. Und es wird dir auch nicht schwer fallen, zuzuschauen, was der andere mit deinem Geschenk tut.

Und hier liegt der Punkt: Wenn du zuschauen kannst, egal ob dein Geschenk sinngemäß benützt oder mit Füßen getreten wird – wenn du dabei ruhig bist und mit einem milden Lächeln zuschauen kannst, dann bist du erwachsen und lebst in Fülle und es ist dir egal, was andere mit der Fülle machen, die du ihnen gibst.

Aber um in diesen Erfahrungszustand zu gelangen, musst du dich zumindest einmal getraut haben, weit in den Fluss hineinzuschwimmen. Du musst einmal gespürt haben, dass er dich trägt. Die Erinnerung an dieses eine Mal gibt dir die Kraft für das nächste Mal.

 

Das Lebensgesetz

Wenn ich genug habe – und erfahren habe, dass sowieso immer etwas nachkommt, wenn ich es brauche, dann kann ich andere Menschen unterstützen.

Ich kann großzügig geben. Dabei erwarte ich nicht, dass der andere mich „zurück“ unterstützt. Ich gebe nicht aus Kalkül, um etwas zurückzubekommen. Das wäre das falsche Geben und Nehmen.

Unterstützung funktioniert also nur aus der Fülle heraus. Hast du, dann kannst du geben.

Wo Leere ist, kann Neues kommen.

In ein volles Glas kann kein Wasser nachfließen. Du musst zuerst etwas aus dem Glas ausschütten, damit du neues Wasser aufnehmen kannst. Wasser oder die Fülle des Lebens fließt immer dorthin, wo Leere ist. Das automatische Geben und Nehmen.

Möchtest du ein Stück weiter in Richtung Gipfel? Ein Stück weiter in den Fluss schwimmen – noch weiter hinaus schwimmen als bisher? Dann arbeite das Buch „7 magische Geheimnisse für dein außergewöhnliches Leben“ durch – Stück für Stück und Schritt für Schritt.

 

Der Spiegel

Es wäre kein vollwertiger Artikel, wenn nicht auch die andere Seite beleuchtet würde. Denn wo es einen Menschen gibt, der als Erwachsener immer noch Kind ist, gibt es auch einen Menschen, der durch Ereignisse in seiner Kindheit gelernt hat, dass er immer alles alleine stemmen muss, damit sich etwas bewegt. Das Gleichgewicht von Geben und Nehmen.

Und hier kommen wieder zwei Menschen zusammen, die sich so wunderbar ergänzen. Jeder kann etwas aus dieser Situation lernen. Der eine, erwachsen zu werden, der andere, Unterstützung zu organisieren oder das Beste aus dem Auto in seinem Garten zu machen. Vielleicht Blumen darin pflanzen. Da stehe ich jetzt gerade und überleg, was ich mit dem Krempel machen soll.

Diesmal möchte ich einen anderen Weg gehen, aber ich bin noch nicht ganz klar, wie der genau ausschauen wird. Denn im Grunde meines Herzens mag ich weder das Auto in meinem Garten stehen haben, noch den Abtransport organisieren.

Aber eines weiß ich jetzt schon, in Zukunft werde ich diese erwachsenen Kinder erkennen und sie auf liebevollem höflichem Abstand halten.

 

Es umarmt dich

Deine Eva Laspas

1 Comment

  • Elisabeth Schanik

    Reply Reply 15. Juni 2017

    Liebe Eva,der Artikel ist großartig. Brilliant beschrieben was so unglaublich nervt. Dieses ewige Kindverhalten und dann wenn du Grenzen setzt sind sie so arm. Danke dir für deine Klarheit. Weiter so inhaltsreiche Artikel Umarmung LG Elisabeth

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